Vertrauen

Tim Berners-Lee setzt “Trust” (Vertrauen) an die Spitze seines “Semantic Web Layer Cake”. Ein für die Informatik sehr ungewöhnlicher Begriff, der da über all dieser Technologie thront wie ein Hilferuf …

TimBL selbst sagt dazu wenig Signifikantes, während seine Mitstreiter eilig daran arbeiten, die Herstellung von “Vertrauen” auf einige wenige technische Kunststücke zu reduzieren, deren Implementierung in naher Zukunft realistisch erscheint. Es geht demnach hauptsächlich darum sicher zu stellen, (1) dass eine Aussage tatsächlich von dem angegebenen Urheber stammt, und (2) dass irgendwelche Folgerungen aus solchen Aussagen mit seriösen Methoden erstellt wurden.

Im Zeitalter der “Fake-News” leiden wir aber wenig darunter, dass einem Donald Trump irgendwelche Aussagen fälschlich zugeschrieben wären. Dies mag vorkommen, doch was Mr. Trump nachweislich selbst sagt, kann dennoch gelogen sein, also nicht vertrauenswürdig. Wir können lediglich darauf vertrauen, dass er so weiter machen wird, solange wir ihn nicht daran hindern.

Auch vertrauenswürdige Folgerungen können ohne seriöse Methoden entstehen, wenn sie z.B. auf der Intuition einer erfahrenen, mir vertrauten Person basieren. Wir vertrauen ja in erster Linie Personen oder Organisationen, und nicht einzelnen Aussagen. Ob wir einer Person trauen (ähnlich für Organisationen) basiert auf Erfahrungen mit dieser Person, die eine grundsätzliche Übereinstimmung mit unseren eigenen Ansichten annehmen lassen. Dies kann auch sehr spontan geschehen.

Es deckt sich auch damit, dass unterschiedliche Menschgruppen unterschiedlichen Personen vertrauen. Jeder lebt in seiner “Filter-Blase”, die alle Aussagen von nicht-konformen Quellen (z.B. “Lügenpresse”) für falsch erklärt oder von vorn herein gar nicht wahr nimmt.

All diese Prozesse spielen sich ab und haben sich immer abgespielt auf jedem technischen Niveau. Vertrauensbildung bedient sich der jeweils vorliegenden Technik und kann durch diese nicht wesentlich bestimmt werden. Sagte man früher und auch heute noch “lügen wie gedruckt”, so könnte man jetzt auch sagen “lügen wie im Web”, der “virtuellen Realität”.

Unterschiebt mir jemand Aussagen, oder verzerrt jemand meine Aussagen durch absurde Folgerungen, so bedroht das meine Vertrauenswürdigkeit. Aber meine Vertrauenswürdigkeit kann nicht dadurch entstehen, das beides nicht geschieht. Wer entscheidet welche Folgerungen absurd sind? Ist der Nachweis meiner Urheberschaft vielleicht gefälscht?

Warum vertraue ich TimBL?

  1. Obwohl er schon lange eine allgenmein anerkannte Berühmtheit ist, lebt er für seine Ideen und Entwicklungen anstatt im Ruhm zu baden und Geld zu scheffeln, wozu er sicher zweifellos Gelegenheit hätte.
  2. Er ist ein Techniker, der Gedichte schreiben kann – vielleicht ohne das selbst zu wissen.
  3. Seine Ausstrahlung hat mich schon durch Fotos davon überzeugt, dass der Abgebildete “einer von uns” ist. Später habe ich ihn auf einer Konferenz gesehen, als er zum Mittagessen ging. Er ging ganz einfach, harmlos, im Gespräch wie viele andere auch, aber ich entdeckte ihn sofort, ohne sagen zu können, woran ich ihn erkannte.

Gegenrede:

Zu 1: das kann natürlich gelogen sein, vielleicht spielt er uns das nur äußerst geschickt vor, oder es wird einfach nur beharrlich behauptet, und ich möchte das glauben können.

Zu 2 ein Zitat:

What makes a cool URI?
A cool URI is one which does not change.
What sorts of URI change?
URIs don’t change: people change them.

Zu 3. Natürlich gehört er zu den Leuten, die man sofort bemerkt, wenn sie nur den Raum betreten. Ich habe ihn vorher schon vom Hörensagen glorifiziert und sehe das nun in ihn hinein.

 

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