Ensemble Bellamira in der Kirche der Redemptoristen

Ich lag im Sommer auf einer formidablen Krankenstation. Dort gab es jeden Morgen die Tageszeitung, und zum Zeitvertrieb las ich davon oft jede Seite. Nur deshalb stieß ich auf die Ankündigung eines kleinen Barock-Konzerts des Ensemble Bellamira in der Kirche der Redemptoristen. Ich kannte beide nicht, aber ich liebe Barock-Konzerte außerhalb des Main-Stream, und ich suchte irgendein Vorhaben, das als Meilenstein auf dem Weg ins gesunde Leben dienen könnte. G. ging mit mir …

Wir gingen früh, um gute Plätze zu bekommen, und sahen gleich die Kirche mit offener Tür nicht weit von einem Parkplatz in der flimmernden Hitze. Die paar Schritte kämpfte ich schon mit Atemnot, währen G. das Gelände erkunden wollte. Ich folgte schleppend, nahm jede Beschriftung als Einladung, stehen zu bleiben – was sind eigentlich Redemptoristen? Das stand da auch nicht, und wir fanden es nicht besonders wichtig.

Die Kirche war noch leer bis auf die Musiker, die ein paar Takte probten. Der endlos lange Lautenhals verriet schon die Orchestrierung, noch bevor ich eine Gambe von einem Cello oder einer Bratsche unterscheiden konnte. Ein Musiker nickte uns zu, hereinzukommen, doch uns war das noch zu intim, es ging zu schnell.

Erst nach einer weiteren Erkundungsrunde gesellten wir uns zu der Handvoll Gäste, und die Reise begann.

Diese Töne kitzelten und kratzten bis in jeden Winkel meines “wohl-temperierten Gehirns”, sie durchbrachen den verordneten Einheitsklang mit natur-gegebener Disharmonie, wodurch ein von Formalismen gereinigtes Strahlen der Noten entstand, ganz so wie ich es erwartet und erhofft hatte. Ich vergaß meine Krankheit und wiegte mich in den Klängen als wenn nichts geschehen wäre, G. an meiner Seite.

 

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