Der Universal-Dilettant und sein Geschreibsel

Den Begriff “Universal-Dilettant” hat mein damaliger Freund H. Bott geprägt, während er in unserer gemeinsamen Wohnung auf einer Schreibmaschine herumhämmerte. Gesucht war eine Berufsbezeichnung in irgendeinem Bewerbungsformular …

Das Zimmer hatte ein Fenster direkt zum Rhein, das meistens offen stand, und draußen tuckerten Schlepper mit zwei oder drei Lastkähnen im Gefolge gegen den Strom.

Irgendwas musste man machen. Irgendwas musste man sein. “Universal-Dilettant” hörte sich vornehm an und ein bisschen altmodisch, dennoch war es eine zutreffende Bezeichnung.

Dilettanten sind so etwas wie Amateure aus der Sicht von Profis. Vielleicht anerkennenswert weit vorangekommen, aber nie wirklich zugehörig zum engeren Kreis der Fachgebiets-Platzhirsche. Dort kennt man das Fachgebiet genauer als der Dilettant, aber in der Regel ist man damit so ausgelastet, dass für nichts anderes Platz ist. Früher sprach man von “Fach-Idioten”, aber ich halte diese Spezies nicht für eine Horde von “Idioten”. Einige mögen dabei sein, aber insgesamt sind sie produktiv.

Das “Universal” in “Universal-Dilettant” deutet auf Vielseitigkeit bis hin zur Verzettelung. Wenn ich ein Fachgebiet nur halb kenne, kann ich gleichzeitig auch andere Gebiete kennen und Querbezüge entdecken. Oder aber: Immer wenn ich auf einem Gebiet nicht mehr vorankomme, wechsle ich rasch auf ein anderes, wo es erstmal entspannter zugeht. Bei Tieren nennt man das “Übersprunghandlung”.

Insgesamt ist der “Universal-Dilettant” eine etwas selbst-ironische Rolle im großen Spiel, mit der ich gut zurecht komme. Es ist nicht die einzige und nicht die mir liebste Rolle, aber ich habe eine gewisse Schwäche für sie.

Und “Geschreibsel”? Na z.B. das, was ich hier grad geschrieben hab. Ich lasse die Worte einfach kommen und versuche wahrhaftig zu sein.

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