Schwarz-Weiß

Wie wohltuend in der allgemeinen Bilderflut ist doch ein schlichtes Foto in Graustufen. Allein die Abwesenheit von Farbe beruhigt. Die Bilderflut schein zu allererst eine Überflutung mit Farbkakophonie zu sein. Dagegen nur 256 Graustufen! Ich spüre sofort wieder Grund unter den Füßen …

Die Abwesenheit von Farbe lässt die Form in den verdienten Vordergrund treten. Bevor ich noch sehe, was da im Einzelnen fotografiert wurde, erkenne ich eine abstrakte Formkontur über das ganze Bild hinweg. Da sind Linien und Schatten, harte und weiche Übergänge, von irgendwoher dringt Licht auf die Szene.

Hier entscheidet sich schon, ob ich ein Bild weiter betrachten will, erst dann vertiefe ich mich in Einzelheiten. Durch ein gutes Bild kannst du mit den Augen wandern wie in einer Landschaft, weil die einzelnen Elemente in Beziehung zueinander stehen, als wäre sie mit Wegen oder Pfaden verbunden. Das Gleiche gilt natürlich auch für Farbfotos, nur in schwarz-weiß kommt es deutlicher zur Geltung.

Man muss unterscheiden zwischen s-w Fotografie vor der Verfügbarkeit von Farbfilm, als man einfach nichts anderes kannte, und der s-w Fotografie danach.

Ich selbst habe noch gelernt, wie man s-w Filme entwickelt und Abzüge davon macht. In meinem Elternhaus gab es zu Zeiten ein improvisiertes SW-Labor – in Farbe wäre das viel zu kompliziert und zu teuer gewesen.  Später habe ich dann s-w Film nur noch entwickelt (dazu braucht man nicht viel) und die Negative gescannt, um sie dann am Computer zu bearbeiten. Zu dieser Zeit hätte ich längst mit weniger Aufwand ein digitales Farbfoto machen können. Aber diese alte manuelle Handlungsfolge, die Aufmerksamkeit und Geduld erfordert, insbesondere auch der Umgang mit Chemikalien und partieller Dunkelheit, geben dem Fotografieren einen unnachahmlichen Reiz. In jedem Bild liegt viel mehr Hinwendung und Liebe als in allen Produkten der Digitalfotografie.

Berühmte Fotografen, besonders erfolgreiche Modefotografen wie Avedon, Demarchelier oder Lindbergh  haben immer wieder s-w fotografiert und damit ihre interessantesten Bildbände hinterlassen.

Hute habe ich bei jedem digitalen Bild im Nachhinein die Möglichkeit zu entscheiden, ob ich Farben sehen will oder nur Graustufen. Meine Vorschau in der Kamera ist immer auf s/w eingestellt, und nur selten entscheide ich mich hinterher für ein Farbbild.

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