Mein Freund Donald Trump

Als du zum ersten Mal auf der Polit-Bildfläche erschienen bist, da dachte ich sofort: “Der wird für immer mein Freund!” Das ist mir zuvor nur ein einziges Mal passiert, im Alter von knapp 6 Jahren bei der Einschulung. Da stand in der vordersten Reihe – ich drängte mich gerade von hinten vor, wobei mich meine Schultüte maßlos behinderte — ein Junge, der eine mega-schicke dunkelblaue Strickjacke trug. Ich sah ihn nur von hinten, aber ich vermutete, dass die Jacke vorn einen Reisverschluss hatte – sowas hatte ich schon längst selbst haben wollen. Als meine Hand ihn erreichte, tippte ich ihm auf die Schulter und sagte: “Du bist für immer mein Freund!” Er drehte sich um, und tatsächlich: ein Reißverschluss! An seine Antwort kann ich mich nicht erinnern; auch nicht, was aus ihm geworden ist.

Ich weiß, du trägst keine Strickjacken – das war ja der Kohl, aber bei dem habe ich nie einen Reißverschluss gesehen. Nein du trägst schicke Anzüge wie alle anderen, aber dunkelblaue statt schwarz oder grau. Dunkelblau ist eine sehr mystische Farbe, und doch steckt sie voller Vertrauen, auch die Strickjacke mit dem Reißverschluss war ja dunkelblau, die blauen Anzüge sollen sicher eine Anspielung sein, ich bemerke und verstehe solche Details.

Was bei dem Anderen die dunkelblaue Strickjacke mit dem Reißverschluss war, ist bei dir deine Tolle! Früher trugen wir sog. “Matten”, also möglichst lange Haare ohne besondere Frisur. Klar, dass die auf Dauer immer weniger werden, die Haare, und damit auch die Matten. Als letzte Möglichkeit blieb noch ein dünner Pferdeschwanz, aber da sieht man gleich aus wie ein alternder Möchte-Gern-Hipster, der überhaupt nichts verstanden hat.

Deine Lösung ist phänomenal! Die Haare, die noch wachsen wollen, werden kunstvoll seitlich verlegt und fixiert. Nichts hängt mehr schmuddelich auf dem Kragen herum, und beim Kopfschütteln fliegt nichts durch die Gegend. Auf jedem Foto erkennt man dich sofort an deiner tollen Tolle, auch unter vielen anderen, und am besten von hinten: Das hier kann nur der Donald sein. Einfach toll, wie du das hinkriegst!

Das dauert doch bestimmt ewig jeden Morgen? Oder … Gott, nein! Ist das etwa ein Toupet?

Donald, ich würde dich so gerne mal ohne dein Toupet sehen, frühmorgens vor dem Zähneputzen.

Aber das wäre dir sicher zu intim. Du kennst mich ja gar nicht richtig. Ich sehe dir jeden Tag dabei zu, wie du mit unverstandener Raffinesse die Welt lenkst, du schaust auch manchmal in meine Richtung, aber ich habe immer das Gefühl, du siehst mich gar nicht wirklich. Sicher hast du zu viel am Hals. Ständig ist dir die Fake-Presse auf den Fersen, und du musst ihre schamlosen Vertreter nicht nur erkennen, sondern auch selbst aus dem Saal dirigieren, so sanft und dennoch entschieden, dass für mich kein Platz mehr übrig bleibt. Vielleicht sollte ich Fake-Journalist werden?

Selbst deine Gegner kommen nicht an der wahren Lage der Nation vorbei: “2,4 Millionen Jobs hast du geschaffen, allein 200.000 davon in der Industrieproduktion. Die Löhne werden endlich steigen und die Arbeitslosenmeldungen sind auf einem 45-Jahrestief. Optimismus hat das ganze Land erfasst, dank deiner Wahl!“[1] Natürlich reden sie dann deine Erfolge doch noch schlecht, vergleichen dich gar mit diesem Obama … oder wie hieß der noch? Osama … bin Laden? Ach nein, das war ja der bärtige Jesus-Typ.

Du bist ein ganzer Kerl aus dem Volk, so wie dir dein Schnabel gewachsen ist! Du hast geerbt, ja gut, aber auch ich kriege mal ein halbes Doppelhaus von der Schwiegermutter, wenn die Rente reicht. Trotzdem weißt du dich zu benehmen wie einer aus der Upper Class, nimmst immer das richtige Messer oder das Glas zum Wein. Nein, jedes Messer, jedes Glas wird von selbst zum “richtigen”, weil du nach ihm greifst.

Viele meiner Bekannten stoßen sich  an deiner Liebe zu Amerika. Make America great again! Warum soll ein Amerikaner nicht das Beste für sein Vaterland wollen, so wie alle anderen auch? Was soll die blöde Bemerkung, dass Mexico geografisch zu Amerika gehören würde. Wollen wir etwa Polen zurück? Wir Deutschen tun uns ja schwer mit sowas, das müssen wir noch lernen: “Mach Deutschland wieder groß!” – wie hört sich denn das an? Da ist man ja gleich Nazi. Vielmehr sind wir doch auch Amerikaner, die meisten von uns jedenfalls. Haben wir nicht alle Bruce Springsteens “Born in the USA” mitgegrölt? Ergriffen der Hymne von Jimi Hendrix gelauscht? Mit original Levis Jeans die US-Handelsbilanz angehübscht? Wir haben doch längst Bürger mit ü gegen Burger ohne getauscht.

Donald könnt ihr mit sowas nicht kommen.

Wenn ich dagegen an die Merkel denke (die Haare lässt sie sich ja auch ganz geschickt machen, muss man ihr lassen) und das ganze Jamaica-GroKo-Theater, dann würde ich mir doch wünschen, dass ein deutscher “Donald Trumpf” die politische Bühne betritt so wie du damals. Aber “Donald” ist ja eigentlich kein deutscher Name. Wäre “Dagobert” nicht besser? “Dagobert Trumpf, die reichste Ente der Welt“? (Fake- Nachrichten haben wir ja früher “Enten” genannt.) Wir haben hier einige Kandidaten, auch beim Nachbarn Österreich, aber die sind noch zu Kurz geraten.

Gerade heute hast du Amazon einen Gewinn von 2 Milliarden Dollar geschenkt[2] – woher wusstest du, dass ich mein Paket so dringend erwarte? Die Jungs arbeiten hart, um mit uns Allen die Wirtschaft anzukurbeln, da fällt so ein Geschenk auf dankbaren Boden. Wahrscheinlich wird am Boden nichts mehr ankommen, weil die längsten Burschen und Mädels sich schon hoch oben die Bündel aus der Luft greifen, aber deshalb sind sie ja gerade “great again“!

Ich kann das ja alles nachvollziehen und bin ja nur ein kleiner Schmierfink, … aber trotzdem könntest du mir doch mal verräterisch zuzwinkern, nur einmal ganz kurz.

Dein Thomas

[1] Fake News, basierend auf: Die Zeit vom 31. Januar 2018

[2] Fake nach Der Spiegel vom 2. Februar 2018

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